Archiv der Kategorie: Baumpaten

Auferstehung im Advent

Es ist Advent – und der gepriesene Wunderbahnhof wird kommen. So verheißt es ein kürzlich spendiertes Großposter der Bahn dem vorbei eilenden Bahnreisenden. Die präsentierte schöne neue Welt ist allerdings nicht nur ernüchternd hässlich, sondern auch mit Merkwürdigkeiten gespickt. Doch was schert es noch den von Verspätungen und Gleisänderungen geplagten Kunden, den geplünderten Steuerzahler, den Bürger Stuttgarts, der nur noch als konformierter Stöpsel den öffentlichen Raum dekorieren darf?

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Totholz auf Abruf

Wegstellbäume verabschieden sich, Teil 2

Im ersten Teil zum diesjährigen Spaziergang im verteilten Schlossgarten hatten wir einen allgemeinen Überblick über den derzeitigen Zustand der Bäume gegeben. Neben weiteren Bildern zu den inzwischen abgestorbenen Bäumen, soll hier ein spezielles Beispiel gezeigt werden, dass für viele Schäden an scheinbar noch gesunden Bäumen verantwortlich ist. Totholz auf Abruf weiterlesen

Aus den Augen, aus dem Sinn?

Wegstellbäume verabschieden sich, Teil 1

Vor fünf Jahren wurde der Mittlere Schlossgarten zerstört. Einige wenige Bäume wurden im Stuttgarter Stadtgebiet verpflanzt. Dabei stand es nicht im Vordergrund, ihre stadtökologischen Funktionen zu erhalten, oder ihren ästhetischen Wert zu bewahren, oder gar neue, qualitativ hochwertige Orte der Erholung und Beschaulichkeit zu schaffen. Es ging einzig darum, eine möglichst hohe Zahl an Verpflanzungen mitzuteilen, völlig egal, wie das Ergebnis dann ausschaut. Bis auf wenige Ausnahmen wurden die Parkbäume zu Straßenbegleitgrün degradiert, also der Art von Stadtmöblierung, die man jederzeit wieder aus dem Weg fällt, wenn ein vermeintlicher Fortschritt daher kommt. Aus den Augen, aus dem Sinn? weiterlesen

Der Schwarze Donnerstag in Stuttgart

Dieser Donnerstag vor 6 Jahren steht als Sinnbild für viele Aspekte und Probleme rund um das Immobilienprojekt Stuttgart 21. Das offensichtlichste sind dabei natürlich die mehr als 368 Menschen  welche damals von der rücksichtslosen Durchsetzungspolitik – unterstützt durch willfährige Polizei und gedeckt durch die Justiz – verletzt wurden. Der Schwarze Donnerstag steht aber auch für den Start der unwiederbringlich zerstörten Naturoase mitten in dieser Großstadt. Kein Baum steht Sinnbildlich passender dafür Pate wie die große alte Platane (Baumpaten Nr. 142) die noch in der Nacht des 30.09.2010 fallen musste. Ich besuchte daher 2016 noch einmal diesen Ort um aktuell aufzuzeigen warum gerade dieser Baum die absolute Sinnlosigkeit sowie auch die planlose Rücksichtlosigkeit so passend darstellen kann.

Wie man unschwer anhand der alten und neuen Bilder und dem dort sichtbaren und heute noch vorhandenen Betonelementen im Rasen erkennen kann, stand dieser beeindruckende größte und älteste aller für Stuttgart 21 im Stuttgarter Innenstadtgebiet gefällten Bäume, an einer Stelle welche bis heute nicht wirklich für den Rückbau des Stuttgarter Verkehrsknotens benötigt wird. Auch im Lauf der vielleicht noch weiterführenden Bautätigkeiten wird an dieser Stelle nichts nennenswertes gebaut werden. Zudem stand der Baum eben genau auf der Höhe des Biergartens am Weg der schlimmsten Exzesse der sich damals durch die Menschen prügelnden Polizei. In seinem Schatten und auf dem „Feldherrenhügel“ standen die Polizeiführer und selbst der umstrittene Staatsanwalt als hier schwerste Verletzungen vom Wasserwerfer verursacht wurden. In diesem Baum wurden faktisch die ersten Juchtenkäferpopulationen gefunden und vernichtet.

Die Menschen die sich am 30.09.2010 für diesen und andere Bäume eingesetzt haben wurden über zwölf Stunden lang von den Polizeitruppen mit Schlagstöcken, Pfefferspray und Wasserwerfern angegriffen und vertrieben. Ihr Demonstrationsrecht wurde mit Füßen getreten, ihr Anliegen war den Verantwortlichen egal. Die Platane wurde illegal gefällt, nicht nur aus Naturschutz Sicht sondern auch obwohl ein Fäll Verbot von Seiten des Eisenbahnbundesamtes (EBA) bestand und auch vor Ort bekannt war. Neben den dort aufgefundenen und angeblich evakuierten Europaweit streng geschützten Juchtenkäferlarven, wurde auch ohne Sinn und Verstand ein wichtiger Habitatbaum entfernt und damit unwiederbringlich in das Ökosystem der dort bestehenden Juchtenkäferpopulation eingegriffen.

Neben allem, wie zb. der Maßlosen Polizeigewalt, was die Menschen heute noch mit dem 30.09.2010 verbinden, ist ohne Zweifel eben auch dieser Sinnlose und nicht wieder gut zu machende Naturfrevel mit diesem Tag verbunden. Bei jedem aktuellen Baufortschritt haftet automatisch dieser Tatbestand dauerhaft an diesem Immobilienprojekt. Wir werden nicht ruhen dies zu betonen und immer wieder und wieder öffentlich zu machen. Jeder auch heute Verantwortliche bei diesem Projekt muß sich für diese Taten erklären und einstehen. Neben den aktuell Verantwortlichen wird aber auch kein damals Beteiligter je vergessen werden.

Oben Bleiben – Umstieg jetzt.

Siehe auch aus etwas anderer Sicht auf den Park und seine Zerstörung – Kontext:Wochenzeitung „So soll es nicht seyn“

( Alexander Schäfer auf schaeferweltweit.de und gegen das Vergessen )

„Schutzgebiet“? Aber nur wenn jemand sich beschwert…

P1020101Seit der Endgültigen Zerstörung des Stuttgarter Schlossgartens vor mittlerweile 4 Jahren, ließ die Deutsche Bahn ein sogenanntes Schutzgebiet für den Juchtenkäfer am Rand der Schillerstraße stehen. Mehr als eine PR-Maßnahme war dies allerdings nie. Immer wieder konnte man beobachten wie wenig die DB wirklich am Schutz interessiert ist. Da wurde beispielsweise dieses Gebiet mit schweren Lastwagen befahren, obwohl dies ausdrücklich nicht erlaubt ist (zumindest wenn man das Wort SCHUTZ in „Schutzgebiet“ ernst nehmen würde). Beim letzten Fall mit dem LKW der Höllischen Wasserspieler behauptete das EBA, dass dies kein Verstoß gegen Auflagen war.

P1020093Diesmal jedoch sieht das anders aus! Das EBA bestätigt auf Nachfrage und Beschwerde, dass die DB beim Bau eines Kabelkanals mitten durch das Schutzgebiet von der eigentlich genehmigten Bauweise abgewichen ist. Diese Abweichung geht faktisch soweit, dass die DB nun gehalten ist, zusätzliche Bewässerungsmaßnahmen an den betroffenen Bäumen durchzuführen.

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18.04.2016 – Massive offensichtliche Fahrspuren Mitten durchs sog. „Schutzgebiet“ und über Wurzelbereiche

Warum allerdings weiterhin trotzdem mit Baggern und allem möglichen anderen schweren Gerät dort herumgefahren werden darf, bleibt weiterhin ein großes Rätzel. Abgesehen davon wird die PR-Show spätestens dann beendet, wenn  (völlig Überraschend) der Erdwall zum theoretisch entstehenden S21-Trog aufgeschüttet werden muss und die bis dahin evtl. überlebenden restlichen Bäume im Dreck verfaulen werden.

P1020107Wie man an diesem Beispiel sieht, ist es in jedem Detail wichtig der DB stets auf die Finger zu schauen da sie von sich aus sonst auf überhaupt keine Vorgaben/Vorschriften/Auflagen achten würde. Wieder einmal ist daher sehr Enttäuschend, dass diese Kontrolle offensichtlich nur und allein durch ausmerksame Bürger erfolgt. Die Stadt und das Land rühmen sich zwar immer wieder mit ihrer sogenannten „kritischen Begleitung“, in der Realität besteht die aber nur aus leeren Worten. Ebenso wie jetzt, wurde z.B. auch beim Fällen der Bäume vor vier Jahren nicht einmal eine eigene dauerhafte Baustellenüberwachung organisiert. Die Stadt und das Land beteiligen sich zwar an Kosten und treiben auch das Projekt voran, am aktiven Einhalten bzw. Überwachen der geringsten Vorschriften zeigen sie sich aber nicht interessiert.

Wer da noch darauf vertraut das Dinge wie Brandschutz (siehe auch das ewige Desaster um den „Flug“hafen BER) und anderes wirklich sehr Wichtige (z.B. immer noch nicht genehmigungsfähige Abschnitte am Neckar und in Untertürkheim) von der DB je erreicht oder eingehalten würden, der denkt auch dass man einen Flughafen ohne faktischen Brandschutz jemals in Betrieb nehmen könnte…

( Alexander Schäfer auf schaeferweltweit.de )

Es gilt weiterhin: Stuttgarter Landrecht

Verwaltungsgericht hält der Willkür die Tore offen

IMG_6293Die Fortsetzungsfeststellungsklage von 32 Bürgern, gegen die Räumung des Mittleren Schlossgartens anlässlich der Rodung von 250 Bäumen am 15.2.2012, wurde vom Verwaltungsgericht Stuttgart abgewiesen. Das geht aus der Pressemitteilung des Gerichts vom 16.3.2015 hervor. Die Verhandlung fand am Vortag statt. Es waren 23 KlägerInnen anwesend, die von einem versierten Verfassungsrechtler vertreten wurden. Denn es ging um die im Grundgesetz garantierte Versammlungsfreiheit. Die steht nun in Stuttgart weiterhin zur Disposition. Es gilt weiterhin: Stuttgarter Landrecht weiterlesen

30.09.2010 illegal? – Details immer noch ungeklärt!

Anlässlich des Ereignisses – „Untersuchungsausschuss Schlossgarten II“ beendet seine Arbeit – ziehe ich diesen Artikel erneut nach oben. Er beschreibt bis ins kleinste Detail warum die ganzen Ereignisse am 30.09.2010 schlicht Illegal waren. Ausserdem spricht er Details an die bis heute ungeklärt sind und immer noch geklärt werden müssen. Darunter auch die Einflussnahme von Frau Gönner in einem genannten konkreten Beispiel. Ein Artikel von Jochen Schwarz. 30.09.2012 – BP: Vor drei Jahren begann die Zerstörung 30.09.2010 illegal? – Details immer noch ungeklärt! weiterlesen

Yoko Ono please help us – A Wish Tree for Feuerbach

Gastartikel von Bernd-Christoph Kaemper

Dear Yoko Ono,
we wish to save a cherished old tree (link to pictures) from cutting by making it a Wish Tree.
Will you support us by sending us a few words of encouragement?

Here is some background information:

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The „old friend“, the weeping willow in Feuerbach

In Stuttgart-Feuerbach, at the railroad station, there is a 70 year old large weeping willow tree, with a trunk circumference of 270 cm. More than 3 generations have come to know and love the tree, it has provided shade, repose and rest in summer, it has greeted the people in the morning when they went to work, and in the evening when they returned home.

In 2013, the German rail company, which is undertaking a large railway & urban development project in Stuttgart (Stuttgart 21), cut down a large number of trees around the station in order to clear the construction site. But they promised to save the large willow tree which forms a historic landmark of Feuerbach. Now, 2 years later, they withdrew their promise and announced they want to cut down the tree, which happens to grow on municipal ground, at the edge of a temporary construction area which is needed for setting up cranes, they say.

We are sure it must be possible to plan the construction site in such a way that the willow can be preserved, even if it needs some detour and is somewhat costlier.

2010 People fighting for trees in Stuttgart. In this case they lost this (and many other) tree but they still fighting for others.
2010 People fighting for trees in Stuttgart. In this case they lost this (and many other) tree but the people still fighting for others.

We have the support of our borough mayor, but there are no legal possibilities to stop the rail company from cutting the tree, because the plans have been approved previously. We know that many citizens of Feuerbach would deeply regret losing their „old friend“, the weeping willow, as many have asked in writing to the city council and the rail company to save the tree. Many people feel deeply disappointed because their dedication to stop a mega-project which they see as damaging to the city and the people has been ignored and led nowhere, many have resigned, others are angry. Even people who are in favour of the project, find it fatal that promises are not kept and that the project is pulled through without respect for the grown environment.

Our citizens initiative has already two times invited the people of Feuerbach to a public breakfast under the weeping willow tree in order to gather support and save the tree from cutting; media has reported, too. We continue to appellate at the city council and the rail company: Abide by your promise, which has been given in writing, the tree has to stay!

For us, the willow is a symbol for our „right to the city“: Pope Francis, in his recent Encyclica ‚Laudato si‘, has rightly deplored the decline of the quality of humen life in our cities:
„Neighbourhoods, even those recently built, are congested, chaotic and lacking in sufficient green space. We were not meant to be inundated by cement, asphalt, glass and metal, and deprived of physical contact with nature.“ … „There is also a need to protect those common areas, visual landmarks and urban landscapes which increase our sense of belonging, of rootedness, of “feeling at home” within a city which includes us and brings us together.“

2010 - A tree the people saddly lost in 2012 after a long fight against the senseless killing of such "old friends"
2010 – A tree the people saddly lost in 2012 after a long fight against the senseless killing of such „old friends“
2013 - this little Tree was saved. They removed it from building site to an other place and some "treeparents" (from godparents) placed there good wishes in the following years
2013 – this little Tree was saved. They removed it from building site to an other place and some „treeparents“ (from godparents) placed there good wishes in the following years

In these days no decision has yet been made over life or death for the weeping willow. We feel that the time has come to light a beacon of hope and love and go a step further to preserve the tree and the peace in this city. We want to make it visible to all that the local people cling to their cherished willow tree. So we had the idea to follow your steps and make it a wish tree! A Wish Tree for Feuerbach! We imagine that it would change people’s hearts, even among those who just want to pull through the construction project as quickly as possible.

If you like the idea and want to support us, please feel free to send us a few words of encouragement. It would mean a lot to us!

Kind regards,
Bernd-Christoph Kaemper, for the Feuerbach Citizens‘ Initiative

Die „Wish Tree“ Kunstinstallation von Yoko Ono (link) begann in den Jahren nach 1981. Im Rahmen der Aktion werden Besucher eingeladen an diese Bäume Wünsche zu hängen. Mittlerweile stehen ihre Wunschbäume schon in New York City, St. Louis, Washington, DC, San Francisco, Pasadena, Palo Alto, California, Tokyo, Venedig, Dublin, London, Exeter, England, und Finnland.

Einer ihrer Wünsche (von 1996) zur Aktion lautet: „Bitte Wünschen Sie sich etwas. Schreiben Sie den Wunsch auf ein Stück Papier. Falten Sie es und binden Sie es um einen Ast des Wunsch-Baumes. Bitten Sie Ihre Freunde, das gleiche zu tun. Wünschen Sie solange bis die Zweige mit den Wünschen bedeckt sind.“

More Pictures from „the old friend“ (link)
Impressions from the trees they fought for, most sadly lost since then. (link)
Pictures from a day in 2010 from Stuttgart – The government fought with armed and armored troups against the people. Later after a very long and sad day, the people lost some really old trees against their police troups (link)

( Alexander Schäfer auf schaeferweltweit.de )