Was macht eigentlich… Die „Neubaustrecke Wendlingen-Ulm“

Klaus Gebhard
Durch die sich auftuende Zeitdiskrepanz zwischen den voraussichtlichen Fertigstellungsterminen der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm (1 Jahr Zeitverzug) und Stuttgart 21 (zugegeben: 4 Jahre Zeitverzug + X Jahre für Testphase und „absehbar Unvorhergesehenes“, analog zu BER) geraten die potentiellen Nutznießer der Neubaustrecke in ein immer heikleres Dilemma. Allen voran die 122.000 Ulmer und nicht zu vergessen 57.000 Neu-Ulmer sowie 24.000 Anrainer des Merklinger Zwischenhalts – in der Summe 203.000 Menschen!

Ihre Erwartungshaltung ist verständlicherweise, dass die NBS sofort ab deren Fertigstellung auch voll leistungsfähig in Betrieb genommen wird. Das ist auch aus volkswirtschaftlichen Gründen zu fordern, denn Tunnels, die nicht benutzt werden, werden feucht und beginnen dadurch vor der Zeit zu altern, siehe wiederum in Berlin die allein zu Tunnelbelüftungszwecken verkehren müssende Geister-S-Bahn von und zum BER-Geisterflughafen.

Die S21-Planer und -Befürworter werden durch diesen jahrelangen Zeitverzug von Stuttgart 21 auf dem ganz falschen Fuß erwischt! [Man erinnere sich: Einst legte Ex-MP Oettinger dem DB-Chef Hartmut Mehdorn 1 Milliarde € aus dem Landeshaushalt auf den Tisch, um den Baubeginn der NBS vorzuziehen, damit diese Strecke ja nicht später als S21 fertig wird; und nun ist das Problem genau in umgekehrter Zeitreihung zum Alb-(!)Traum geworden.] Das Bittere für alle S21-Fans ist, dass die Jahre vor S21 nutzbar werdende NBS nur durch eine leistungsschwache 1-gleisige Verbindungskurve mit der bei Wendlingen kreuzenden potentiellen Alternativroute durch‘s Neckartal verbunden werden soll. Das lässt sowohl die Kapazität auf der Neubaustrecke als auch die Pünktlichkeitsquote darauf einbrechen, da sich auf jeder 1-gleisigen Strecke jede Verspätung eines Zuges zwangsläufig auch auf den warten müssenden Gegenzug übertragen wird.

Genau hier setzt das Umstieg21-Konzept und Update2018 an.

Aus meinen Erfahrungen mit der vor 1 Woche dazu abgehaltenen Pressekonferenz  habe ich eine ganze Serie an verbesserten und ergänzenden Graphiken entwickelt, mit deren Hilfe sage und schreibe 340.000 Bürger angesprochen werden können. Zu den oben bereits genannten 203.000 NBS-Alb-Donau-Anliegern kommen nämlich noch 140.000 weitere Menschen aus dem östlichen Neckartal hinzu, die von unseren Umstiegsvorschlägen – konkret von einem ICE-Bahnhof Wendlingen – unmittelbar und dauerhaft profitieren werden.

Bild 01- zeigt in einer Schlagzeilen-Montage das Problem der zunehmend auseinander klaffenden Fertigstellungstermine der beiden Teilprojekte auf

 

Bild 02 – zeigt die bahnverkehrliche Misere an der Nahtstelle zwischen den beiden Teilprojekten „Neubaustrecke Wendlingen-Ulm“ und „Stuttgart 21“ bei Wendlingen auf. Besonders hinzuweisen ist dabei auf das Unding, dass alle Personenzüge, die in den S21-Anschlusslosen Jahren Richtung Ulm über die 1-gleisige sog. „Güterbahnspange“ auf die Schnellfahrstrecke einbiegen wollen, nicht nur auf der 600 m langen Verbindungskurve, sondern im Anschluss daran auch noch weitere 8,2 Kilometer (!) auf dem falschen Gleis im „Albvorlandtunnel“ gen Ulm fahren müssen, da eine Überleitung auf‘s richtige Gleis aus Brandschutz- und Kostengründen erst NACH dem Tunnel eingebaut wird! Das macht zusammen fast 9 km Gegenverkehrsbetrieb auf nur einem Gleis! Mit anderen Worten: Bei 57 km Gesamtstrecke verkehren diese Personenzüge auf mehr als einem Sechstel der Gesamtdistanz als „Geisterfahrerzüge“ auf dem falschen Gleis, was Fahrpläne und Pünktlichkeit auf der milliardenschweren Neubaustrecke massiv einbrechen lässt! Und es kommt noch toller: Während die Nordröhre des 8,2 km langen Albvorlandtunnels durch den Gegenverkehrsbetrieb tendenziell überlastet ist, wird die Südröhre unter der Tunnelfeuchte schon zu „schimmeln“ anfangen, da sie ohne Umstieg21 jahrelang nicht genutzt werden kann – eben weil die Weichenüberleitung von der 1-gleisigen sogenannten Güterbahnspange“ auf‘s richtige Ulmer Gleis erst NACH dem Albvorlandtunnel kommen wird!
Bild 03 – zeigt unsere leistungsstarke Umstieg21-Lösung: Statt der in ungewisser Zukunft liegenden Weiterführung der NBS durch S21 binden wir sie 2-gleisig in einem aufgeweiteten und dadurch schneller durchfahrbaren Bogen in die bestehende Neckartalbahn ein. Zur Unterscheidung von der weithin bekannten, von uns aber nicht gebrauchten = einsparbaren „Wendlinger Kurve“ (von der Wendlingen trotz ihres Namens bizarrerweise überhaupt nichts hat!) nennen wir die viel wichtigere 2-Gleis-Verbindung aus dem Neckartal ins Ulmer Donautal „Doppelkurve Wendlingen-Ulm“.
Bild 04 (+05) – zeigen die 2 NBS-Anschluss-Möglichkeiten bei Wendlingen: 1 x mit allen Risiken bei Fortführung von S21 und 1 x mit dem riesigen Gewinn FÜR ALLE bei Umstieg auf die gleich* schnelle Neckartalroute! (* Gleich schnell, wenn man den jahrzehntelang massiv propagierten S21-Halt am Flughafen beim versprochenen Wort nimmt – und ergo zeitlich mit einrechnet!)
Bild 05 (+04) – zeigen die 2 NBS-Anschluss-Möglichkeiten bei Wendlingen: 1 x mit allen Risiken bei Fortführung von S21 und 1 x mit dem riesigen Gewinn FÜR ALLE bei Umstieg auf die gleich* schnelle Neckartalroute! (* Gleich schnell, wenn man den jahrzehntelang massiv propagierten S21-Halt am Flughafen beim versprochenen Wort nimmt – und ergo zeitlich mit einrechnet!)
Bild 06 – zeigt den aktuellen Zustand des DB-Baufelds südlich von Wendlingen an der A8 (Foto stammt vom 24.01.2018) sowie darin eingezeichnet die 2 zur Wahl stehenden Fortführungen der Neubaustrecke. Die Umstieg21-Lösung sieht vor, einen der laut Bahn künftig halbstündlich verkehren sollenden ICEs zwischen Stuttgart und Ulm rspktv. Paris und Bratislava am Wendlinger Bahnhof halten zu lassen (im Wechsel mit einem ICE-Sprinter, der durchfährt), um Fahrgäste aus Richtung Ulm, die zum Stuttgarter Flughafen wollen (in jedem Zug stets eine Minderheit!), dort auf die im Umstiegs- Konzept vorgesehene Neckar-Filder-S-Bahn umsteigen lassen zu können. Da diese dringend zur Entlastung der dauerverstauten A8 gebrauchte S-Bahn-Verbindung aller Voraussicht nach nicht rechtzeitig bis zum avisierten Fertigstellungstermin der NBS Ende 2022 zur Verfügung stehen wird, muss diese Verbindung zwischenzeitlich von einer auf den Wendlinger ICE getakteten Expressbus-Linie übernommen werden. Diese Bild-Gegenüberstellung im Ulmer Raum und entlang der Neubaustrecke bekannt zu machen ist besonders wichtig!
Bild 07 – zeigt aus der Vogelperspektive schlagend, dass einem 2-gleisigen Ausbau der nur 1-gleisig geplanten Verbindungskurve zwischen NBS und der Neckartalbestandsstrecke räumlich absolut nichts im Wege steht; die Mehrkosten für den doppelt so breit nötig werdenden Durchstich unter der A8 halten sich in überschaubren Grenzen und können durch die bei Umstieg21 entfallende „Wendlinger Kurve“ vermutlich sogar noch mit einem Überschussgewinn gegenfinanziert werden.
Bild 08 – zeigt einen sorgsam unter der Decke gehaltenen Skandal in der S21-Planung auf, von dem 140.000 Menschen im östlichen Neckartal von Plochingen über Wendlingen bis Nürtingen sowie aus dem Raum Kirchheim, Weilheimer Becken und Lenninger Tal betroffen sind: Wenn diese Bewohner auf der von ihnen ja mitfinanzierten neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke Richtung Ulm/Augsburg/München fahren möchten, müssen sie bei S21 zuerst einen bizarren Zubringer-Umweg absolvieren, der ihre eigentlich beabsichtigte Fahrstrecke um über 50% verlängert – und auch entsprechend verteuert! Die durchnummerierten Pfeile in der Graphik zeigen den fälligen irren Umweg auf, von dem ihnen bestimmt noch kaum ein Vor-Ort-Politiker voll umfänglich berichtet/gebeichtet hat. Anders ist der bisher ausbleibende Aufschrei einer solch großen Zahl an Durch-S21-Abgehängten nicht zu erklären … Übrigens: Der bisher mögliche „alternative Ausweg“, in Plochingen auf einen Ulm-Zug durchs Filstal umzusteigen, wird mit Stuttgart 21 auch vereitelt, da laut einer Meldung der Ulmer Südwestpresse künftig nur noch Bummelzüge und Güterzüge das Filstal „bedienen“ werden, siehe LINK (> Ein toller Dienst, den da, um 1 Beispiel zu nennen, die CDU-Landes-Verkehrsexpertin und fanatische S21-Trommlerin Nicole Razzavi ihrem Wahlkreis Göppingen/Geislingen erwiesen hat!)
Bild 09 – zeigt aufgeschlüsselt nach Zubringer-Wegzeiten den großen Kreis an potentiellen Nutznießern eines Wendlinger ICE-Halts nach Umstieg21-Plan auf.
Bild 10 – zeigt die vielfältigen nützlichen tangentialen S-Bahn-Linienführungen zwischen den Regionalräumen östlicher Neckar, Filder/Flughafen/Messe und Gäu. NEU mit aufgenommen ist die Möglichkeit einer Durchbindung der im Umstiegskonzept bereits enthaltenen Express-S-Bahn von S-Hbf via Panoramabahn nach Vaihingen und Flughafen, die bei Bedarf oder auf Wunsch auch bis Wendlingen verlängert werden kann. Dadurch verkürzte sich die Zubringerfahrt von Wendlingen-ICE-Bahnhof bis Flughafen/Messe von 18 auf 11 Minuten!
Bild 11 (+12) – zeigt den großräumigen Nutzen der überfälligen durchgängigen Ost-West-Schienentangente im gesamten VVS-Raum. Nur durch derlei Tangenten kann der überlastete S-Bahn- Stammstreckenabschnitt in der Stuttgarter Innenstadt spürbar entlastet werden. Erste Machbarkeitsstudien einiger Neckar- und Fildergemeinden bestätigen die großen Fahrgastpotentiale und damit den Gewinn für Klima, Anlieger, Umwelt und selbst Autofahrer.
Bild 12 (+11) – zeigt den großräumigen Nutzen der überfälligen durchgängigen Ost-West-Schienentangente im gesamten VVS-Raum. Nur durch derlei Tangenten kann der überlastete S-Bahn- Stammstreckenabschnitt in der Stuttgarter Innenstadt spürbar entlastet werden. Erste Machbarkeitsstudien einiger Neckar- und Fildergemeinden bestätigen die großen Fahrgastpotentiale und damit den Gewinn für Klima, Anlieger, Umwelt und selbst Autofahrer.
Bild 13 – ist ein Screenshot aus einem Kurzvideo aus dem Jahr 2011, in dem ein für Stuttgart 21 zuständig gewesener hochrangiger DB-Manager die Umstieg21-Lösung einer Einbindung der NBS in die Neckartalbestandsstrecke auf eine Publikumsfrage hin explizit und wiederholt als „gute Lösung“ bezeichnet.
Bild 14 – schließlich zeigt tabellarisch die noch immer riesige Einspar-Summe auf, die ein Umstieg vom momentanen Bau-Stand der Dinge zum Umstiegs-Konzept erbrächte. Diese eingesparten Milliarden-Gelder würden und werden dringend an x anderen Stellen im maroden Bahnnetz gebraucht, wovon auch jeder ab Stuttgart oder Ulm durchs Land reisende Bahnfahrgast seinen Nutzen in Form von kürzeren Fahrzeiten und größerer Pünktlichkeit hätte.

Kompaktdownload aller Folien – Link (10 MB)

( Klaus Gebhard auf schaeferweltweit.de )