Archiv der Kategorie: Stuttgart21

Zwei Drittel der Baden-WürtembergerInnen für „ernsthafte Prüfung des Umstiegskonzepts“

Infratest dimap Umfrage zu Stuttgart 21 im Auftrag von Prof. Peter Grottian/FU Berlin

„Das Wichtigste an der von Prof. Grottian beauftragten Umfrage ist die Antwort auf die dritte Frage: Danach befürworten 63% der Befragten (31% dagegen) eine ernsthafte Prüfung des von Stuttgart 21- GegnerInnen entwickelten Alternativ-Konzepts. Ausdrücklich wird in der Frage der Umstieg als Ausstieg aus Stuttgart 21 dargestellt zugunsten eines weiter entwickelten Kopfbahnhofs bei Umnutzung des bisher Gebauten bzw. Zerstörten“, so Dr. Norbert Bongartz, Co-Sprecher des Aktionsbündnisses und zugleich als Bauhistoriker Mitglied des vierköpfigen „Umstiegsteams“.

Besonders überwältigend sei diese Zustimmung, weil sie über alle Alters-, Partei- und Geschlechtergrenzen hinweg gehe. Sogar bei den Stuttgart 21-BefürworterInnen votieren mehr für als gegen (49% zu 47%) die ernsthafte Prüfung des Umstiegs und damit des Ausstiegs aus S21.

In schwer erklärbarem Gegensatz dazu steht, dass weiterhin 49% der Befragten das Projekt „im Großen und Ganzen für richtig“ hält. Infratest dimap hatte einen Vergleich mit ihrer analogen Befragung von 2011 gezogen. Damals hielten S21 50% für richtig. Immerhin ist die Zahl derer, die Stuttgart 21 für „falsch“ halten, von 35 auf 41% gestiegen.

Ebenso schwer erklärbar ist, dass 54% der 1.000 telefonisch Befragten der Meinung sind, die Politik sei weiterhin an das Ergebnis der Volksabstimmung gebunden. Möglicherweise hat ein Teil der Antwortenden nur bestätigen wollen, dass sie die Politik so, nämlich als an die Volksabstimmung gebunden, wahrnehme. Plausibler jedoch sei, „dass sich hier eine grundsätzlich positive Sicht auf das Prinzip einer offenen und breit angelegten Debatte (Schlichtung, Stresstest, Phoenix Dauerübertragung etc.) ausdrücke, wie es die Volksabstimmung 2011 symbolisiert hat“, so Bongartz. Die Zustimmungsrate kurz nach der Volksabstimmung dürfte noch bei 90% gelegen haben.

Die seinerzeitige Kampagne wurde von Befürworterseite mit unwahren, frei erfundenen Behauptungen zu Kosten, Ausstiegskosten, Kapazität und vielem mehr geführt. In heutigem
Sprachgebrauch war die Volksabstimmung ein frühes Beispiel für eine mit „alternativen Fakten“ betrieben Meinungsmache. Der bei der Umfrage ermittelte starke Wunsch nach ernsthafter Prüfung
von Alternativen zu Stuttgart 21 sei ein deutliches nach vorn weisendes Signal an die Politik, sich ernsthaft mit dem Umstiegskonzept auseinanderzusetzen und das Mantra des „Weiter-so“ in Frage zu stellen.

Mehr Informationen:
Pressemitteilung
Umfrage in BW zu „Stuttgart 21“ – Januar 2017 (Schaubilder)
Umfrage in BW zu „Stuttgart 21“ – Januar 2017 (Tabellen)

( Alexander Schäfer auf schaeferweltweit.de )

Gesucht: Bahnkompetenz, Sachverstand und Leidenschaft für die Schiene

Karikatur: Kostas Koufogiorgos www.koufogiorgos.de
17.08.2010 – Karikatur: Kostas Koufogiorgos www.koufogiorgos.de

Ich glaube das ist das erste mal das ich eine Pressemittelung (PM) aus den engeren Kreisen der Bahn verwende, doch die PM der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ist es einfach wert zitiert zu werden. Nach Jahres der Misswirtschaft und geprägt von sinnlosen Immobilienprojekten (Leuchtturmprojekten) tritt R. Grube endlich ab. -> Zum Glück noch rechtzeitig für den Umstieg 21. Claus Weselsky ( Bundesvorsitzender der GDL)  bringt dazu passend und aus Fachkreisen zur Frage der Nachfolge auf den Punkt: „Nötig ist ein Kandidat mit klarer Bahnkompetenz, hohem Sachverstand und Leidenschaft für die Schiene. Er muss begreifen, dass die Zukunft der Eisenbahn im Schutz ihres Herzstücks, der Infrastruktur und nicht in einer weltweiten Expansion als Logistikunternehmen liegt.“

Die ehrliche, direkte und schonungslose PM findet sich auf der Seite der GDL (link)

Wegtreten Bitte. Stuttgart 21 – Ausstieg Jetzt!

Grube macht den Weg frei: Umstieg21 jetzt und keiner verliert mehr das Gesicht. Nicht zuletzt der Fluchhafen Berlin Brandenburg (BER) zeigt jedenTag aufs neue welch wahre Größe es bedeutet einen Fehler einzusehen und zu beenden statt wie ein trotziges Kind mit dem Fuß stampfend vor sich hin zu maulen „Ich will aber trotzdem weiterbuddeln!“

Karikatur: Kostas Koufogiorgos www.koufogiorgos.de
„Grube“ – Karikatur: Kostas Koufogiorgos www.koufogiorgos.de

Die Montagsdemo kommt und Grube geht.

Heute zeigt die harte Realität: die Demonstranten gegen Stuttgart 21 haben eindeutig den längeren Atem bewiesen. Der sog. „Gurkenhobelverkäufer“ Rüdiger Grube streckt die Segel, gibt klein bei, macht den Rückzieher, streckt die Waffen, schmeißt den Bettel hin, wirft die Flinte ins Korn, wirft das Handtuch, haut in den Sack kurz er schmeißt den Krempel hin.

Umstieg21 – Jetzt erst recht! 


Video Martin Storz/Eberhard Linckh

Redner:
Hannes Rockenbauch, Stadtrat der Fraktionsgemeinschaft SÖS, LINKE, PLus;
Musik: Thomas Pauli, Gitarre und Gesang
Moderation: Johanna Almstedt, Mahnwache

Stuttgart von Oben – Wilhelma, Neckar und Rosensteinpark

Bitte das Copyright beachten

Bitte das Copyright beachten

Wer sich für die Schönheit in diesen Bildern begeistern kann sollte sich dafür einsetzen. Der Rosensteinpark ist am Neckarhang (unter dem Schloss Rosenstein massiv durch das Immobilienprojekt Stuttgart 21 bedroht. Die schöne große Bildfüllende, Stadtbildprägende und bis zum Horizont reichende große Platanenallee ist auf den Visualisierungen von Stuttgart 21 nicht mehr vorhanden! Um den Wahn einer Sichtlinie bis zum Schloss Rosenstein erreichen zu können stehen diese mächtigen alten unersetzbaren Bäume offensichtlich den Visionen oder Wahnvorstellungen der Architekten und der Deutschen Bahn im Wege.
Wer es nicht mehr hören kann und sich nicht dafür Interessiert: Warum schaust du dir dann hier an was du selbst nicht mehr sehen willst? <- Rhetorische Frage (was ist das? Hier klicken!) … einfach mal nachdenken würde vielleicht helfen.

Mehr Infos zum gezeigten Rosensteinpark – rosenstein-park.de
Alternativen zu S21, zum vollständigen Erhalt der Platanenalle und des Neckarhangs – umstieg21.de

( Alexander Schäfer auf schaeferweltweit.de )

Warteraum als „grüne Oase“?

Keine vier Jahre sind vergangen seit die Deutsche Bahn für ihr Immobilienprojekt Stuttgart 21 den Mittleren Schlossgarten abgeholzt, geschreddert und vernichtet hat. Seit dem ist es nicht mehr möglich mit ein paar wenigen Schritten aus dem Südausgang des Stuttgarter Kopfbahnhofes oder auch aus der Arnulf-Klett-Passage direkt unter die alten Parkbäume zu treten.

Vor diesem Hintergrund erscheint es nun enorm bitter und verlogen, dass ausrechnet der sogenannte „Einkaufsbahnhof“ nun mit einem Warteraum mit „grüner Oase“ wirbt.  Bebildert mit Bäumen würde der Raum Ruhe und Entspannung ausstrahlen wirbt die Werbereferentin auf deren Website. Was für ein Hohn und Spott wenn man bedenkt das all dies für viele Stuttgarter einer der Hauptgründe gegen das Sinnlose Milliardenloch Stuttgart 21 war. Wie man unter anderem auf der Seite der Baumpaten heute noch sieht, grenzte der Stuttgarter Kopfbahnhof bis 2012 direkt an eine REALE grüne Oase! Heute bleibt zur Entspannung nur noch ein stickiger Warteraum oder die herunter gekommene  versiffte Passage unter dem Arnulf-Klett“platz“. Vorbei die kühlende Wirkung in den heißen Sommern welche durch das Klima der Bäume und Wiesen entstand, lediglich wenige Schritte vom Querbahnsteig direkt an der Haupthalle des Bahnhofs entfernt.

Wer sich heute im Wartebereich der Deutschen Bahn im Stuttgarter Hauptbahnhof entspannt und dort ernsthaft an Bäume, Wiesen und Felder denkt sollte nicht vergessen wem er verdankt dass dies nicht mehr Realität sondern nur noch billiges Pixelwerk auf Klebefolie und von einer drittklassigen Werbefirma ohne Gespür für die Emotionen der Menschen ist.

( Alexander Schäfer auf schaeferweltweit.de )

„Modell Frey“ in Stuttgart wird zu „Stellwerk S“ in Herrenberg

Das vier Jahre lange bangen um die Zukunft des einzigartigen Stuttgarter Stadtmodelles von Wolfgang Frey hat nun ein Ende gefunden. Das legendäre Spur-N Modell wurde nach Herrenberg verkauft. Dort wird es in direkter Sichtweite des Herrenberger Bahnhofs im umgebauten ehemaligen Restaurant „Zum Botenfischer sein neues Zuhause finden. In den kommenden Monaten werden dort zahlreiche Wände und selbst die Restaurantküche Platz für diese Anlage machen. Rainer Braun der neue Besitzer hat vor dort ab dem zweiten Halbjahr 2017 ca. 180m² der sagenumwobenen Anlage der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Rainer Braun vor den ersten bereits transportierten 15m² der Anlage

Damit verwirklicht er einen kühnen Plan den viele Experten für unmöglich gehalten haben. Seit dem frühen Tod des Erbauers Wolfgang Frey (52) im Jahre 2012 haben sich etliche Spezialisten schon für die Anlage interessiert. Unter anderem kamen Speziallisten des Miniatur Wunderland Hamburg wie auch die Fachleute von Märklin zur Begutachtung nach Stuttgart. Letztlich lehnten aber doch alle ab und sahen es für Unmöglich oder zu Aufwendig an diese enorm große, verwinkelte und detaillierte Anlage abzubauen. Rainer Braun hingegen hat sich der Aufgabe gestellt. Mit dem Umzug des Hauptbahnhofes, des Güterbahnhofes und einem Teil der Innenstadt (alles selbst in den Gebäudehöhen im Maßstab 1:160 und auf dem Stand von 1980) gelang es Ihm bereits das Herzstücks der Anlage und damit ca. 15 m²  der Anlage in ein Interimsquartier nach Herrenberg umzuziehen. Wer es dort schon jetzt (durchs Schaufenster und von weitem) sehen möchte kann dies im Einkaufszentrum Nufringer Tor machen oder die sechs bisher umgezogenen Module am 21. und 22.01.2017 während der Modellbauausstellung in der Stadthalle Herrenberg besichtigen.

Rainer Braun arbeitet beim Umzug sowie der anschließenden Restaurierung und Inbetriebnahme der Anlage eng mit dem Modelleisenbahn Club Herrenberg sowie dem N-Club International zusammen. Im Rahmen des Umzuges wird die Anlage von der bisherigen analogen Steuerung auf die digitale Steuerung umgebaut. Leider ist es nicht möglich das Stellwerk welches von Wolfgang Frey 1:1 aufgebaut wurde mit umzuziehen. Es wird nur das Stadtmodell in Herrenberg zu sehen sein. Geplant ist aber auch den Rest der einst ca. 750 m² großen Anlage in Bildern dokumentiert zu zeigen und das Andenken an Wolfgang Frey hochzuhalten.

Das faszinierende und  wahrlich einzigartige Kunstwerk das Wolfgang Frey über 25 Jahre lang erschaffen hat zeigt sich vor allem in den unglaublich Kreativen Ideen. Da wurden aus schlichten Wunderkerzen Straßenlaternen und aus Müll und alten Schildern wurden ganze Häuserzeilen uvm. Gerade diese Kreativität macht allerdings den Abbau nun enorm Kompliziert. Jeder Sägeschnitt wird zum Risiko, jede Fassade birgt neue Herausforderungen und ungeahnte Überraschungen. Nach einem Transportschaden zeigte sich zb. das der Unterbau des Kaufhofparkhauses aus schweren Holzbrettern und nicht nur leichter Pappe bestand. Rainer Braun schreckt das allerdings alles nicht. Er ist fasziniert vom Talent des Erbauers und sieht die Probleme als überwindbar an. 

Begeistert erzählt er von aufgesägten Türen an Modellautos mit denen Frey aus handelsüblichen LKW-Modellen einzigartige Schmuckstückte machte oder auch von Fahrzeugen die Frey nachträglich um lackierte weil diese nicht den Originalfarben der Hersteller entsprachen. Ebenso traurig allerdings auch über den bedauerlichen Wasserschaden welcher leider schon zu Lebzeiten des Erbauers große Teile der „Wilhelma“ unwiederbringlich zerstörte.

Nach dem Umbau der Räumlichkeiten des Restaurants in den ersten Monaten 2017 ist geplant möglichst rasch mit dem Umzug der kompletten Anlage nach Herrenberg fortzufahren. Der Umbau auf Digitaltechnik sowie der Restaurierung der Gebäudeteile die durch dem Umzug gelitten haben soll dann im Lauf des Jahres erfolgen. Auch wenn es bedauerlich ist, dass die Stellwerktechnik wohl nicht mehr erhalten werden kann, muss man für den Erhalt dieser sehenswerten Anlage mehr als dankbar sein. Das Werk von Wolfgang Frey wird so zumindest in Teilen erhalten und zudem in Ehren gehalten.

Mehr Bilder im Archiv (link)

Interessierte an dieser Anlage sollten zum einen den Newsletter von Stellwerk S abonnieren und auch immer wieder hier auf SWW vorbei schauen oder sich in den Newsletter dieser Seite eintragen. Ich plane noch einige weitere Dokumentationen von diesem besonderen Stück Stuttgarter Stadtgeschichte zu machen.

( Alexander Schäfer auf schaeferweltweit.de )